Genetische Gesundheit (DNA-Tests)

Inhalt

  • Hereditäre Katarakt (HSF 4)
  • Collie Eye Anomalie (CEA)
  • Progressive Retina Atrophie (PRA)
  • Canine Multifokale Retinopathie Typ 1 (CMR1)
  • Degenerative Myleopathie (DM)
  • Maligne Hyperthermie (MH)
  • Neuronale Ceroid Lipofuszinose (NCL)
  • Hereditäre Ataxie (HA)
  • Hyperurikämie (HUU)
  • Imerslund-Gräsbeck-Syndrom (IGS)
  • Von-Willebrand-Krankheit (vWD)
  • ===> Übersicht der Genotypen aller Merkmale

Hereditäre Katarakt (HSF4)

Hereditäre Katarakte (HC) sind definiert als die Trübung der Augenlinse (grauer Star). Katarakte beeinträchtigen das Sehvermögen und können, wenn sie progressiv sind, zu völliger Erblindung führen, da die Linse normalerweise Licht auf die Netzhaut fokussiert, um das Sehen zu ermöglichen.

 

Katarakte können sich auf einem Auge oder in beiden Augen aufgrund des Alterungsprozesses, Grunderkrankungen, Verletzungen oder eines genetischen Defekts entwickeln. 

 

Katarakte können sich ab dem 2. Lebensjahr mit variabler Progressionsrate und Sehstörungen bilden.

 

Vererbung

Derzeit ist die Vererbung der verschiedenen Kataraktformen noch nicht ganz geklärt. Für die häufigste Form der erblichen Katarakt (HC) ist der Erbgang bereits bekannt. Die Vererbung erfolgt autosomal dominant. Bereits eine Kopie des Gens (oft bezeichnet als "one copy", N/HC oder N/m) kann zur Erkrankung führen. Trägt ein Hund beide Kopien des Gens, ist mit einem schweren Verlauf der Krankheit zu rechnen.

  

 

Collie Eye Anomali (CEA)

Bei der Collie Eye Anomalie (CEA) handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der es zu Veränderungen an der für das Sehen wichtigen Netzhaut des Auges kommt. Die CEA kann in verschiedenen Schweregraden auftreten.

 

In manchen Fällen sind die Veränderungen der Netzhaut (Retina) nur gering und die Krankheit verläuft unbemerkt. Es kann auch zur Ausbildung von Spaltöffnungen (Kolobome) an der Eintrittstelle des Sehnervens kommen, zur Fehlbildung (Dysplasie) der Netzhaut und der darunter liegenden Aderhaut sowie zu Netzhautfalten kommen. Die Sehkraft kann dadurch beeinträchtigt werden.
Bei der schlimmsten Form der CEA kommt es durch Blutgefäß-Veränderung zu Blutungen an der Netzhaut. Dies kann eine Netzhautablösung zur Folge haben, was zur Erblindung des Hundes führt.

 

Der Schweregrad der Erkrankung verändert sich bei der CEA im Laufe des Lebens nicht. Ein betroffener Hund erblindet also nicht erst im Alter. Die mildeste Form der CEA, die sogenannte CRH (chorioretinale Hypoplasie), ist beim Welpen nur bis zu einem Alter von ca. 9 Wochen erkennbar, danach wird sie durch die normale Einlagerung von Farbstoffen (Pigmenten) in das Auge überdeckt.

 

Vererbung

Der Erbgang der CEA ist autosomal-rezessiv, das bedeutet das Träger eines mutierten Gens nicht erkranken, das Gen jedoch an ihre Nachkommen weiter geben. Träger sollten also nicht mit Trägern verpaart werden, um betroffene Nachkommen zu meiden.

 

 

Progressive Retina Atrophie (PRA) 

Die progressive Retina Atrophie (PRA) ist eine Augenerkrankung, die zu einer krankhaften Rückbildung (Degeneration) der Netzhaut (Retina) und im weiteren Verlauf zur Erblindung führt.

 

Die Netzhaut, die sich an der hinteren Innenseite des Auges befindet, ist für die Bildentstehung verantwortlich und besteht aus Lichtsinneszellen (Photorezeptorzellen) sowie spezialisierten Nervenzellen. Es werden zwei Typen von Photorezeptoren unterschieden: Stäbchen und Zapfen.

Die Stäbchenzellen sind spezialisiert auf das Dämmerungs- (hell-dunkel) und Kontrastsehen.

 

Die Zapfenzellen hingegen auf das Tages- und Farbsehen. Bei der PRA verlieren zuerst die Stäbchenzellen ihre normale Funktion. Dies führt zu fortschreitender Nachtblindheit und einem Verlust der Anpassung des Sehvermögens. Im späteren Stadium werden auch die Zapfenzellen zerstört, so dass es schließlich zur völligen Erblindung des Hundes kommt. Die Krankheitssymptome treten in der Regel schon in der frühen Jugend auf, in den verschieden Hunderassen allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

 

Erste Symptome sind Nachtblindheit, später auch zunehmende Einschränkungen im Sichtfeld bei Tageslicht. Die Linse trübt sich mit der Zeit ein.

Methoden oder Medikamente die der PRA vorbeugen oder sich verlangsamen sind nicht bekannt. Beim Aussie stellt PRA eine vergleichsweise seltene Erkrankung dar, kommt aber vor.

 

Vererbung

PRA ist genetisch bedingt und nicht heilbar. Die Erkrankung vererbt sich autosomal rezessiv. Träger von nur einer Kopie des Gendefekts sind nicht betroffen.

 

 

Canine Multifokale Retinopathie Typ 1 (CMR1)

Die Canine Multifokale Retinopathie (CMR) ist eine okuläre Erkrankung (autosomal-rezessiv), die durch mehrere Bereiche der Netzhautdegeneration bei mehreren Hunderassen gekennzeichnet ist.

 

Die Anzeichen von cmr1 entwickeln sich im Alter von etwa 13 Wochen und umfassen mehrere hellbraun-rosa subretinale Flecken sowohl im tapetalen als auch im nicht-tapetalen Fundus sowie Fokusbereiche mit tapetaler Hyperreflektivität. Die Läsionen heben die Netzhaut an. Sie entwickeln sich mit zunehmendem Alter des Tieres zu Schwerpunktbereichen der Netzhautdegeneration und der Hypertrophie und Pigmentierung des retinalen Pigmentepithels.

 

 

Degenerative Myelopathie (DM)

Unter DM (Degenerativer Myelopathie) werden Erkrankungen zusammengefasst bei der sich das Rückenmark zunehmend zurückbildet. Die Erkrankung beginnt etwa in einem Alter von 8 Jahren und ist langsam fortschreitend, eine Heilung ist nicht möglich. Sie beginnt mit Koordinierungsstörungen der Hinterhand (gestörte Reflexe, Läufe werden nicht richtig aufgesetzt, ’schlingern‘, Krallen schleifen beim Laufen über den Boden) und kann bis zur Lähmung der Hinterhand führen. Bekannt ist diese Erkrankung vor allem beim Deutschen Schäferhund, betroffen sind aber weiter aus mehr Rassen.

 

Eine Mutation des SOD1-Gens wird mit dem Auftreten der Erkrankung in Verbindung gebracht.

Die DM die durch dieses mutierte Gen ausgelöst werden kann ist allerdings nur EINE Form von DM. Da es sich bei den Begriff DM um verschiedene Erkrankungen mit ähnlichen Auswirkungen handelt die zusammengefasst wurden, sind auch verschiedene Ursachen möglich. Das mutierte Gen SOD1 ist eine davon. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv unvollständiger Penetranz.

 

Es gibt wahrscheinlich noch weitere, unerforschte Gene, die an der Entstehung von DM beteiligt sind. Ebenso können andere Erkrankungen (z. B. Bandscheibenvorfall) oder ein Tumor für das Auftreten ursächlich sein. DM wird mittels Ausschlussdiagnose festgestellt.

 

Vererbung

Der Erbgang ist autosomal-rezessiv.

Ein Hund der auf SOD1 frei getestet wurde, kann an dieser Form der DM nicht erkranken. Trotzdem kann er an einer anderen Form erkranken. Der Test kann also keine DM ausschließen. Auch für Betroffene Hunde gibt der Gentest nur an, wie hoch das Risiko ist an dieser Form der DM im Alter zu erkranken. Aber auch ‚Betroffene‘ müssen nicht zwingend erkranken.

 

 

Maligne Hyperthermie (MH)

Die Maligne Hyperthermie ist eine vererbte Fehlfunktion des Skelettmuskels, welche durch Rhabdomyolyse, generalisierte Krämpfe der Skelettmuskulatur, Herzrhythmusstörungen und Nierenfehlfunktionen charakterisiert ist. Diese Problematik entwickelt sich nach Exposition mit Muskelrelaxantien oder flüchtigen Betäubungsmitteln. Der Erbgang ist autosomal-dominant.

 

Die Hunde leiden nach der Gabe dieser Medikamente unter Tachykardie, Hyperthermie und erhöhter CO2-Produktion. Wenn die Medikamente nicht abgesetzt werden, sterben die betroffenen Hunde. Eine Besserung der Symptome kann durch die Gabe von Dantrolen, einem Antagonisten des Calcium-Kanals, erzielt werden.

 

 

Neuronale Ceroidlipofuszinose (NCL)

Es handelt sich hierbei um eine neurodegenerative Erkrankung aufgrund von lysosomalen Speicherdefekten. Klinische Symptome sind Verhaltensveränderungen (Unruhe, Aggressivität, Angst). Die Hunde können auch unter epileptischen Zuständen und Sehstörungen leiden. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv.

 

Die meisten Tiere verlieren die Fähigkeit, die alltäglichen Muskelaktivitäten wie Fressen und Laufen zu koordinieren. Das Alter, in dem die Erkrankung beginnt, sowie der Schweregrad können stark variieren. Beim Tibet Terrier treten die ersten Symptome im Erwachsenenalter auf. Mit zunehmender Neurodegeneration entwickeln jedoch alle Hunde psychische Abnormalitäten und Ataxie.

 

 

Hereditäre Ataxi (HA)

Hereditäre Ataxie (HA) ist eine fortschreitende Erkrankung, die durch Hypermetrie, Gleichgewichtsverlust, unkoordinierten Gang, Tremor und Spastiken bis hin zu schweren Gangstörungen gekennzeichnet ist. Bei den Rassen Bobtail und Gordon Setter treten erste Symptome im Alter von 5 Monaten bis 4 Jahren auf.

Der Erbgang ist autosomal-rezessiv.

 

Als ursächliche Mutation wurde bei diesen Rassen eine Variante des RAB24-Gens identifiziert.

Eine Mutation im KCNIP4-Gen verursacht HA bei der Rasse Norwegischer Buhund, während eine Mutation im HACE1-Gen bei Norwegischen Elchhunden gefunden wurde.

 

Betroffene Welpen zeigen im Alter zwischen 4 und 20 Wochen klinische Symptome, die Welpen rutschen leicht auf dem Boden aus, fallen gelegentlich um und haben eine rasseuntypische hängende Rute. Bei der Rasse Australian Shepherd und Miniature American Shepherd sind zwischen dem 4. und 19. Monat erste Anzeichen wie Hypermetrie, „Bunny-Hopping“ und ein wackeliger und steifer Gang insbesondere der hinteren Gliedmaßen zu erkennen.

 

Diese unkoordinierten Bewegungen und Spastiken verschlechtern sich zunehmend, sodass die Hunde im Alter von 30 bis 44 Monaten nicht mehr laufen konnten. Die histologischen Ergebnisse des Gehirns zeigten eine diffuse Demyelinisierung. Eine Mutation im PNPLA8-Gen verursacht HA bei dieser Rasse.

 

 

Hyperurikämie (HUU)

Hyperurikosurie und Hyperurikämie (HUU) ist ein autosomal-rezessives Variante, die bei allen Dalmatinern homozygot mutiert vorliegt. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv.

 

HUU wird durch drei mögliche Mutationen am SLC2A9-Gen verursacht, was zu reduzierten Spiegeln einer der Isoformen führt. Infolge dessen scheiden betroffene Hunde vermehrt Harnsäure mit dem Urin aus.

 

Klinische Merkmale sind hohe Harnsäurespiegel, die zu Blasensteinen führen. In der Regel werden die Blasensteine operativ entfernt.

 

 

Selektive Cobalamin Malabsorption (IGS)

Das Imerslund-Gräsbeck-Syndrom (IGS), auch bekannt als selektive intestinale Cobalamin-Malabsorption, ist eine Erkrankung, bei der der Darm nicht genügend Vitamin B12 aufnimmt.

Der Erbgang ist autosomal-rezessiv.

 

Das Imerslund-Gräsbeck-Syndrom (IGS), auch bekannt als selektive intestinale Cobalamin-Malabsorption, ist eine Erkrankung, bei der der Darm nicht genügend Vitamin B12 aufnimmt. Diese Variante, die im Beagle gefunden wurde, wird durch eine rezessive Mutation des Gens CUBN verursacht. Ähnliche Varianten kommen auch beim Border Collie und Komondor vor.

 

Symptome für betroffene Hunde sind Lethargie, schlechter Appetit, schlechtes Wachstum, Gewichtsverlust und Lebererkrankungen. Veterinärmedizinische Analysen können erhöhte Proteinspiegel im Urin aufdecken.

 

 

Von-Willebrank-Erkrankung (vWD)

Die Von-Willebrand-Krankheit (vWD) ist die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung beim Hund. Besonders häufig tritt sie in einer milden Form (Typ 1 von 3) bei der Hunderasse Dobermann auf. Der Erbgang ist autosomal-dominant.

 

Der Von Willebrand Faktor ist ein Blutbestandteil der bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielt. Bei der vWD-Krankheit fehlt er oder ist dieser Blutgerinnungsfaktor defekt.

 

Die von der Erbkrankheit betroffenen Tiere zeigen eine verstärkte Blutungsneigung bei Verletzungen. Auch beim Krallenschneiden oder Operationen wie dem Kupieren der Rute bluten sie durch einen Von Willebrand Faktor Mangel sehr lange nach. Bei Hündinnen tritt zudem oft eine verlängerte Läufigkeit auf.

 

Die Hunde können außerdem Lahmheit zeigen, weil Blutungen in den Gelenken entstehen. Auch sind Blutergüsse (Hämatome) in der Haut sichtbar. Wichtige Symptome bei den erkrankten Tieren sind besonders auf der Schleimhäuten zu erkennen: wiederholte Magen-Darm-Blutungen, Nasenbluten, Zahnfleischbluten. 

 

Genotypen

Es gibt jeweils 3 mögliche Genotypen der oben benannten Merkmale und dazu unterschiedliche Bezeichnungen, mit der gleichen Bedeutung.

 

Ich habe hier mal nur die gängigsten 4 Bezeichnungen aufgeführt.

 

jeweiliger Genotyp
(unterschiedliche Bezeichnung)

Erläuterung

Es gibt zwei Erbgänge

1. autosomal rezessiv 

2. autosomal dominant


N/N

+/+

Frei

Clear

Nicht betroffen, kein Träger.

 

Der Hund besitzt zwei normale Erbanlagen, wird nicht erkranken und kann nur diese an seine Nachkommen weitergeben. 

 

Ein Generationsübersprung gibt es nicht!

keine Ausprägung

keine Ausprägung



N/m

+/-

Träger

one copy

Träger einer Kopie des mutierten Gens.

 

Der Hund kann die Kopie weiter vererben (statistisch 50% one copy, bei Verpaarung mit einem freien Hund). 

keine Ausprägung

Ausprägung



m/m

-/-

Betroffen

affected

Ist auf das mutierte Gen homozygot, trägt also zwei Kopien.

 

Der Hund hat ein Risiko an dieser Form zu erkranken, muss aber nicht zwingend erkranken. Er wird das Gen weitergeben.

Ausprägung

Ausprägung


Was bedeutet das nun für die Verpaarung zweier Hunde im Detail?

Für jedes Merkmal liegen also im Erbgut eines Hundes zwei Kopien (Allele) vor. Je eine Kopie erhält das Tier von seinem Vater und eine von seiner Mutter. 

  • Werden zwei Hunde des Genotyps "frei" miteinander verpaart, so werden alle Welpen den Genotyp "frei" aufweisen.
  • Wird ein Hund des Genotyps "frei" mit einem Hund des Genotyps "Träger" verpaart, so werden 50 % der Welpen den Genotyp "frei" und 50 % der Welpen den Genotyp "Träger" besitzen.
  • Wird ein Hund des Genotyps "frei" mit einem Hund des Genotyps "betroffen" verpaart, werden 100 % der Welpen den Genotyp "Träger" besitzen.
  • Werden zwei Hunde des Genotyps "Träger" miteinander verpaart, werden 25 % der Welpen den Genotyp "frei", 50 % der Welpen den Genotyp "Träger"
    und 25 % der Welpen den Genotyp "betroffen" besitzen.
  • Wird ein Hund des Genotyps "Träger" mit einem Hund des Genotyps "Betroffen" verpaart, werden 50 % der Welpen den Genotyp "Träger" und 50 % der Welpen den Genotyp "Betroffen" besitzen. 
  • Werden zwei Hunde des Genotyps "Betroffen" miteinander verpaart, werden 100 % der Welpen ebenfalls den Genotyp "Betroffen" besitzen. 

Hier eine Skizze dazu:

Wenn man nicht 100%ig weiß, ob ein Hund frei, Träger oder genetisch betroffen von einer Erbkrankheit ist, kann man dieses durch einen Gentest feststellen lassen. 
Hier gibt es verschiedene Labore, die solche Tests anbieten (z. B. Laboklin, certagen).